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Warum hassen sie uns so?

Allgemein

Beim Ostermarsch in Gummersbach hat der oberbergische Öko-Landwirt Lothar Gothe in seiner Rede versucht eine Antwort zu geben auf die Frage nach den Gründen des islamistischen Terrors in Europa. Seine bemerkenswerten Gedanken drucken wir hier ab und hoffen auf eine lebhafte Diskussion.

 

 

„Wir sind im Krieg“ so der französische Präsident und der belgische Premierminister nach dem Terrormassaker in Brüssel.

Der Krieg ist also zurückgekehrt in unser vereintes Europa, den Friedens-nobelpreisträger, das Vorbild für Demokratie, Menschenrechte und Freiheit für die ganze Welt, wie unser Präsidentenpastor unermüdlich verkündet.

Wer aber hat dem „Europa des friedlichen Zusammenlebens „ - so die Kanzlerin denn den Krieg erklärt ?  Und warum  überhaupt ?

Es sei der islamistische Terrorismus, so hören und lesen wir immer und überall.

Dieser Krieg, von dem Holland spricht, muss daher wohl ein Religionskrieg sein. Vom Zaun gebrochen von religiösen Fanatikern, die uns ihren Gott und ihren Glauben aufzwingen wollen.

Die Aussagen unserer Mächtigen in Politik und Wirtschaft aber weisen auf ganz etwas anderes hin: Oder hat schon mal einer von ihnen erklärt, dass wir uns von den Islamisten unseren christlichen Glauben nicht nehmen lassen, dass wir unsere Religion verteidigen müssen ?

Nein, nach jedem Anschlag heißt es unisono: Dies sei ein Angriff auf unsere freiheitliche Art zu leben und  wir würden uns unseren Lebensstil nicht kaputtmachen lassen. Es ist tatsächlich ja auch eben dieser westliche Lebensstil, den die angeblich religiös Verblendeten so wutentbrannt angreifen. Mit Religion hat dieser mörderische Konflikt im Grunde also  wenig zu tun, sie dient vielmehr der Ablenkung von den tieferen Ursachen.

„Warum hassen sie uns so sehr ?“ Diese Frage stellte die  grüne Europapo-litikerin Franziska Brandner offenbar fassungslos nach den Brüsseler Anschlägen. Sie kann sich also gar nicht vorstellen, warum man uns im Westen hassen könnte.

Weiß die Franziska denn nicht, dass die westlichen Vormächte in 500 Jahren Kolonialgeschichte die Völker des Südens unterdrückt, gemordet, gefoltert uns ausgeplündert haben, in teils so grausamer Weise, dass der IS das nicht mehr toppen kann?

Hat sie noch nie davon gehört, dass unsere ausgewanderten Vorfahren die Weltmacht USA geschaffen haben, indem sie zunächst einen Völkermord an den Ureinwohnern begingen um dann in Westafrika Menschen wie Tiere einfangen zu lassen, damit sie als Sklaven ihren Reichtum begründeten ?

Sie wäre auch nicht so ratlos dem Hass gegenüber wie ihre ganze Politikerkaste, wenn sie nur z.B. nur mal in Jean Zieglers Buch „ Der Hass auf den Westen“ gelesen hätte.

Es zeigt eine fast endlose Kette rassistischer Menschheitsverbrechen an fremden Völkern, deren Traumata sich so wenig in Luft auflösen wie die von misshandelten Menschen.

Franziska könnte z.B. den Hass vieler Algerier auf Frankreich vielleicht verstehen, würde sie sich informieren über das unendlich grausame Vorgehen des französischen Militärs im Algerienkrieg, was Frantz Fanon in seinem Buch „Die Verdammten dieser Erde“ beschrieben hat. Dasselbe haben sich die Engländer, die Spanier, Portugiesen, Holländer, Belgier, Italiener zuschulden kommen lassen und auch Deutschland hat einen Völkermord an den Hereros begangen, indem es 200.000 Menschen in  der Wüste verdursten ließ.

Warum also hassen sie uns so sehr, Franziska ?

Hat der kapitalistische Westen vielleicht nach dem Ende der Kolonialzeit mit Ausbeutung, Unterdrückung, Krieg. Mord und Demütigung aufgehört ? 

Bringt er heute etwa Demokratie, Frieden, Gerechtigkeit  in die Welt, so wie wir es immer so gern verkünden?

Ist es nicht vielmehr so, dass er ständig Kriege um Ressourcen führt wie den im Irak, dessen Spätfolgen gerade über uns hereinbrechen? Oder dass er Kriege

führen lässt? Oder willfährigen Despoten zur Macht verhilft wie in Saudi Arabien? Oder gewählte Staatsoberhäupter stürzen lässt  wie in Chile, Algerien, Ukraine, Ägypten, wenn sie den Profitinteressen im Wege stehen?

Ob es wohl ein Grund für Hass sein kann, Franziska, wenn der Arbeiter in der Kakaoplantage am Tag 80 Cent verdient, also 17 Tage für unseren  Mindeststundenlohn von 8.50 Euro schuften muss? Oder wenn die Frau in Bangladesh, die dein T-Shirt näht, mit 38 Euro im Monat nach Hause geht, wovon sie nicht satt werden kann? Kann vielleicht Hass aufkommen bei den landlos gemachten Bauern in Südamerika, die in den giftigen Sojaplantagen das Futter für unsere Massentierhaltung erzeugen müssen? Oder bei den indonesischen Regenwaldbewohnern, die für unseren Palmölbedarf vertrieben werden? Oder bei den Hirten in Kenia, deren Vieh auf vertrockneten Weiden verhungert, weil das Grundwasser für Schnittblumen für Europa abgepumpt wird? Oder bei den Arbeitern in den asiatischen Zwangsarbeitslagern, die wir beschönigend Sonderwirtschaftzonen nennen ? Oder, oder, oder....

Die Gründe für Hass auf den Westen sind zahllos und sie bestehen fort.

Denn es sind ja gerade unsere kapitalistische räuberische Wirtschaftsordnung zusammen mit dem konsumistischen Lebenstil, welche all diese Ausbeutung, Unterdrückung und Kriege verursachen, welche die armen Völker ins Elend stürzen und sie darin halten. Das alles, während hierzulande maßlose Verschwendung herrscht, während unsere Haustiere ein würdigeres Leben fristen, „artgerechter“ gehalten werden und rechtlich besser geschützt sind als unsere Arbeitssklaven in den Elendszonen der Welt.

Doch jetzt haben diese offenbar jede Hoffung auf eine menschenwürdige Zukunft verloren, ihre Verzweiflung ist übermächtig geworden.

So fallen die einen in brennendem Hass als Terroristen über uns her, die anderen strömen zu Hunderttausenden in endlosen Flüchtlingstrecks zu unseren Wohlstandsinseln, vor allem ins wirtschaftliche Schlaraffenland Deutschland.

Dies ist kein Krieg, eher schon ein Aufstand der Verdammten dieser Erde.

Jetzt bleiben uns nur noch  zwei Möglichkeiten, darauf zu reagieren.

Der eine Weg wäre, endlich eine gerechte Weltwirtschaftsordung in die Wege zu leiten, die den  anderen, den Opfern des Wirtschaftsimperialismus, genug zum Leben lässt und den religiösen Aufhetzern das Wasser abgräbt. Die politische Voraussetzung  für dieses Teilen wäre, die Macht der globalen Konzerne zu brechen und unser Preis als einfache Bürger  wäre ein Absenken des Konsums nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren. Wenn der Anteil der armen Länder steigen soll, muss er in den reichen sinken. Der Lohn wäre langfristig Frieden und Sicherheit.

 

Der andere  Weg bedeutet, mit immer mehr Krieg und Gewalt gegen Terroristen, Aufständische und Flüchtlinge vorzugehen. Grenzen dicht, Zäune hochziehen und sie letztendlich durch Waffengewalt gegen den Ansturm der Verzweifelten schützen. Noch mehr wie besessen bombardieren, obwohl doch der islamische Staat  auch nach 4000 Luftangriffen nicht besiegt werden konnte und tausende Unschuldige dabei massakriert wurden.

Innerhalb unserer Länder ist der Preis der Abbau von Bürgerrechten, Total-überwachung, Polizeistaat, Dauerausnahmezustand, obwohl die Repression  gegen Selbstmordattentäter ins Leere läuft.

Dieser Weg führt in ein faschistisches Europa, dessen Fratze an brennenden Flüchtlingsheimen und an der mazedonischen Grenze schon zu besichtigen ist.

Ich befürchte angesichts des rapide wachsenden Rechtsradikalismus, dass er aber in der europäischen Bevölkerung und Politik  zunehmend Befürworter findet. Jetzt rächt sich, dass wir eine ehrliche Aufarbeitung des mörderischen Nationalsozialismus unterlassen haben. Sonst wüssten wir, dass die rassistische Aufteilung der Welt in Herrenmenschen und Untermenschen letztlich noch nie zu dem Frieden und der Sicherheit geführt haben, welche sich die Mehrheit der Menschen herbeisehnt. (Lothar Gothe)