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Höfesterben, nicht nur in Oberberg

Bundespolitik

 Ausgerechnet der Rheinische Bauernverband warnt jetzt vor einem „dramatischen Höfesterben“ und verlangt wegen des abgestürzten Milchpreises wie eh und je staatliche Unterstützung mit Steuergeldern. Da schlägt aber einer lauthals Alarm, weil das Kind im Brunnen liegt, der zuvor kräftig daran mitgewirkt hat, es hineinzustoßen.

Waren es denn etwa nicht  Bauernverband und Landwirtschaftskammer, welche seit Jahren stets die Strategie des „Wachsen oder Weichen“ verfolgt haben ?

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie der frühere Vorsitzende der  Kreisbauernschaft und  Campina- Aufsichtsrat Stöcker in  Versammlungen  seine Berufskollegen arrogant und von oben herab belehrt hat, daß sie sich fit machen müßten für den Weltmarkt, allein da läge die Zukunft. Sie müßten als Unternehmer handeln: Maschinenpark modernisieren, Viehbestand aufstocken und so auf Teufel komm raus die Milchmenge steigern.

Das haben viele mit hohem- oft schuldenfinanziertem -  Kapitaleinsatz getan und sich damit , wie sich nun zeigt, in die Pleite gemolken. Der Weltmarkt braucht nämlich Europas überschüssige Milchprodukte nicht, trotz  satter Prämienzahlungen in der EU produzieren andere wie Neuseeland oder China günstiger. Wegen des globalen Überangebots greift der Handel natürlich gnadenlos zum billigsten Angebot, so sind nun mal die Regeln in der kapitalistischen Marktwirtschaft.

Wieviel vernüftiger und nachhaltiger ist demgegenüber die Strategie des Bundes deutscher Milchviehhalter (BDM), der  seit langem eine freiwillige Reduzierung der Milchmenge verlangt, um dem Handel nicht länger wehrlos ausgeliefert  zu sein und die erforderlichen 40 Cent pro Liter durchzusetzen. Dann können die Bauern  auch Kosten senken, auf Hochleistungskühe und (Gen)Futtermittel aus Übersee verzichten, extensivieren und  regionale Molkereien in Bauernhand wie die „faire Milch“ betreiben. Diese Bauern verdienen unser aller Unterstützung, das Gejammer der Weltmarkt-orientierten Agrarunternehmer sollte uns hingegen relativ kalt lassen. Bei Normalverdienern oder Hartz-4-Empfängern wird sich das Mitleid mit Bauernfamilien wie der in Wallefeld ohnehin in Grenzen halten, verfügen diese doch immerhin noch über beträchtliches Immobilienvermögen.

Freudige Nutznießer dieses modernen Bauernlegens sind leider Banken, Fonds und Kapitalgesell-schaften, die seit Jahren in Erwartung des nächsten Finanzcrashs alles Land aufkaufen, dessen sie habhaft werden können. 

Lothar Gothe, Bergneustadt